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Zwischen den Zeilen #234: Wenn sich eine Regel nur fair anfühlt, wenn man zur Gewinnerseite gehört

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Zwischen den Zeilen

Vieles von dem, worüber ich schreibe, findet „zwischen den Zeilen" statt; nicht nur in den offensichtlichen Aussagen, sondern im Nachdenken, Reflektieren und Weiterdenken. In Zitaten, die hängen bleiben. In Gesprächen, die nachklingen. In Gedanken, die auftauchen und im Kopf bleiben.Auch der Slogan bringt das auf den Punkt: „Neue Perspektiven für Menschen mit Zielen.“ Denn darum geht’s mir Woche für Woche: Impulse geben. Denkanstöße liefern. Mut machen, anders zu denken und neue Wege zu gehen.

Andreas Hobi

Neue Perspektiven
für Menschen mit Zielen


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In dieser Ausgabe:

  • 🚸 Weshalb Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Schule mehr Platz haben sollten
  • 📚 Weshalb Bücher wertvoller sind als Zeitungen
  • 🚷 Wenn sich eine Regel nur fair anfühlt, wenn man zur Gewinnerseite gehört

Mein Lesetipp der Woche

Wir leben in einer Welt voller Zahlen Und doch interpretieren wir sie erstaunlich schlecht.

Morgan Housel schreibt, dass Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung möglicherweise die wichtigsten, aber gleichzeitig die am wenigsten unterrichteten mathematischen Fächer in der Schule sind. Dabei prägen sie direkt, wie wir über Risiken im Alltag denken. Und ob wir in gewissen Situationen richtig oder falsch handeln.

Hans Rosling erzählt in seinem Buch Factfulness von einem tödlichen Bärenangriff in Schweden im Jahr 2004. Die Medien berichteten breit darüber. Verständlich, denn solche Ereignisse sind dramatisch. Was dabei jedoch fast unterging: Es war der erste tödliche Bärenangriff in Schweden seit 1902. Mehr als hundert Jahre. Und trotzdem hinterließ dieser eine Vorfall bei vielen Menschen das Gefühl, Bärenangriffe seien eine reale Gefahr. Unser Gehirn reagiert eben stärker auf das Ausmaß eines Ereignisses als auf dessen Wahrscheinlichkeit. Das Ergebnis davon, wenn das Thema Wahrscheinlichkeitsrechnung in der Schule vernachlässigt wurde.

Darauf weist auch Rolf Dobelli hin. Wir lassen uns von der Größe des möglichen Gewinns oder der Stärke eines möglichen Schadens beeindrucken, ignorieren aber oft, wie wahrscheinlich das Ganze ist. Deshalb kaufen Menschen Lottoscheine. Deshalb klicken wir auf alarmierende Schlagzeilen. Und deshalb treffen wir manchmal Entscheidungen, die sich im Moment richtig anfühlen, langfristig aber unvernünftig sind.

Dobelli beschreibt das Problem nüchtern: Logisch wäre es, die Option zu wählen, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit gut für uns ausgeht und mit der geringsten Wahrscheinlichkeit schlecht. Tatsächlich entscheiden wir uns aber häufig für die Option mit dem größtmöglichen Gewinn. Egal, wie unwahrscheinlich sie ist.

Mein Denkanstoß der Woche

Ich habe vor einigen Jahren begonnen, auf Nachrichteninputs weitgehend zu verzichten. Kein ständiges Scrollen durch Newsfeeds, keine täglichen Schlagzeilen, die mir erklären, warum heute wieder alles schlimmer geworden ist.

Der überraschendste Effekt war nicht nur die zusätzliche Denkleistung. Auch wenn natürlich mehr geistiger Raum entsteht, wenn man den Kopf nicht permanent mit neuen Meldungen füllt. Der überraschendste Effekt war finanziell. Ich spare mir eine Menge Geld durch die gekündigten Zeitungsabos.

Wenn ich dieses Geld jedes Jahr in Bücher investiere, entsteht über zehn oder zwanzig Jahre hinweg eine beachtliche Bibliothek und vor allem eine Menge Wissen, das sich langsam aufbaut.

Der Zinseszinseffekt wirkt eben auch beim Wissen. Schon 15 Minuten Sachbuchlesen pro Tag reichen aus, um über die Jahre ein erstaunliches Wissensfundament aufzubauen. Seite für Seite, Idee für Idee.

Viele Menschen haben dabei eine Sorge: „Aber was ist, wenn ich wichtige Entwicklungen verpasse?“ Die Lösung ist einfacher, als Du vielleicht denkst: Lies Bücher über aktuelle Entwicklungen. Gute Sachbücher erklären Zusammenhänge. Sie zeigen Muster. Sie ordnen Ereignisse ein. Kurz gesagt: Sie helfen Dir zu verstehen, statt nur zu reagieren.

Nachrichten erzählen Dir meistens, was heute passiert ist.
Bücher helfen Dir zu verstehen, warum Dinge überhaupt passieren.

Und dieser Unterschied summiert sich über die Jahre.

(Und ja: Die wichtigen Nachrichten erreichen Dich auch so auf jeden Fall.)

Mein Aha-Erlebnis der Woche

Du wirst zu einer großen Party eingeladen. 100 Gäste, gute Stimmung. Klingt nach einem ordentlichen Abend. Als Du ankommst, erfährst Du: Wegen eines Fehlers bei der Essensbestellung bekommen nur die ersten 50 Gäste eine Burrito Bowl. Für alle anderen gibt es Salat.

Du schaust Dich kurz um. Der Raum ist noch nicht einmal halb voll. Und dass nur diejenigen genügend zu essen bekommen, die zuerst da waren, klingt fair. Oder?

Genau dieses Gedankenexperiment beschreibt Matthew McAteer in seinem Blogartikel über die sogenannte Original Position Fallacy.

Doch dann merkst Du, dass ein anderer Raum bereits mit 50 früher angekommenen Gästen gefüllt ist. Plötzlich gehörst Du zu der Gruppe, die nur Salat bekommt. In dem Moment fühlt sich die Situation ganz anders an. Jetzt findest Du es vielleicht unfair, dass Du nur einen Salat bekommst.

Dieses Muster begegnet uns ständig. In Diskussionen über Steuern, Arbeitszeiten, Boni, staatliche Leistungen oder auch ganz alltägliche Dinge im Berufsleben. Viele Regeln fühlen sich richtig an, solange wir glauben, nicht zu den Benachteiligten zu gehören. Hohe Steuern für Millionäre? Richtig so! Bis Du im Lotto gewinnst …


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Zwischen den Zeilen

Vieles von dem, worüber ich schreibe, findet „zwischen den Zeilen" statt; nicht nur in den offensichtlichen Aussagen, sondern im Nachdenken, Reflektieren und Weiterdenken. In Zitaten, die hängen bleiben. In Gesprächen, die nachklingen. In Gedanken, die auftauchen und im Kopf bleiben.Auch der Slogan bringt das auf den Punkt: „Neue Perspektiven für Menschen mit Zielen.“ Denn darum geht’s mir Woche für Woche: Impulse geben. Denkanstöße liefern. Mut machen, anders zu denken und neue Wege zu gehen.