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Andreas Hobi |
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Neue Perspektiven für Menschen mit Zielen |
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In dieser Ausgabe:
- 👥 Weshalb Du nicht tun solltest, was alle anderen tun
- 💎 Weshalb Dir auch das tollste Produkt plötzlich minderwertig vorkommen kann
- ☕ Weshalb Kaffee gesünder ist, als Du denkst
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Mein Lesetipp der Woche
Wenn Du Dich dabei ertappst, wie Du mit der Mehrheit mitläufst, solltest Du kurz stehenbleiben und nachdenken. Mark Twain hatte ein gutes Gespür für solche Momente, als er sagte: „Genau dann, wenn alle in die gleiche Richtung rennen, ist es Zeit, selbst zu denken.“
Der Grund: Die Mehrheit liegt nicht ständig daneben. Aber sie landet fast immer im Durchschnitt.
Die meisten Menschen sind nicht dort, wo sie sind, weil sie sich bewusst dafür entschieden haben, sondern sie sind dort, weil sie Entscheidungen irgendwann einfach übernommen haben. Schule, Beruf, Lebensstil, Ziele. Nicht hinterfragt, nur akzeptiert. Ein stilles ok hier, ein weiteres dort, und plötzlich fühlt sich das eigene Leben an wie eine Route, die jemand anderes geplant hat. Man folgt dem ausgetretenen Pfad, weil dieser Weg besser erkennbar ist als die neue Route, die noch niemand gegangen ist.
Grant Cardone beschreibt das nüchtern: Deine Ziele entstehen selten im luftleeren Raum. Sie sind geprägt von den Menschen um Dich herum. Von Erwartungen, von Vorbildern, von unausgesprochenen Grenzen. Wenn Dein Umfeld klein denkt, tust Du das oft auch.
Wenn Du tust, was alle tun, bekommst Du auch das, was alle bekommen. Ein Leben, das funktioniert. Eines, das irgendwie passt. Und manchmal reicht das. Nur solltest Du dann aufhören, Außergewöhnliches erreichen zu wollen.
Sinem Günel nutzt dafür ein schönes Bild: Fahrstuhl oder Treppe. Der Fahrstuhl ist bequem, berechenbar, sozial. Die meisten nehmen ihn. Man steht gemeinsam drin und wartet. Die Treppe ist anstrengender. Man spürt jeden Schritt. Und deshalb sind dort weniger Menschen unterwegs.
Die Welt des Erfolgs und der Zufriedenheit ist alles andere als überbevölkert. Nicht, weil diese Welt elitär ist, sondern weil sie Einsatz verlangt. Eigenverantwortung. Entscheidungen, bei denen Dir niemand sagt, ob sie richtig sind.
Zweifel, Unsicherheit, dieses leise Gefühl von „Ich weiß gerade nicht, ob das klug ist“, all das gehört dazu. Nicht als Zeichen, dass Du auf dem Holzweg bist, sondern als Hinweis, dass Du Dich bewegst. Weg von übernommenen Mustern, hin zu eigenen Entscheidungen.
Die meisten Menschen werden Dir erklären, warum Dein Weg riskant ist. Warum man das so nicht macht. Das ist selten böse gemeint. Oft verteidigen sie damit einfach ihr eigenes Leben.
Du musst ihnen nicht widersprechen. Aber Du musst ihnen auch nicht folgen.
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Mein Denkanstoß der Woche
Was wir von Dingen halten, hängt viel weniger von der Sache selbst ab, sondern viel stärker vom Kontext.
Vielleicht besitzt Du eine Luxusuhr. Hochwertig verarbeitet, schwer am Handgelenk, ein kleines mechanisches Kunstwerk. Sie gefällt Dir.
Plötzlich tragen immer mehr Menschen in Deinem Umfeld exakt dieselbe Uhr. Kollegen, Bekannte, fremde Leute im Café. Schlagartig ist sie überall.
Wie fühlt sich die Uhr jetzt an?
Noch immer dieselbe Uhr und doch eine andere Wirkung. Die Uhr ist nicht plötzlich schlechter gebaut oder weniger präzise. Aber emotional? Sowas von entzaubert!
Oder ein anderes Szenario: Du erfährst, dass der Hersteller dieser Uhr seine Mitarbeitenden mies behandelt oder sich auf andere Weise fragwürdig verhält. Da verändert sich etwas in Dir. Dein Blick auf die Uhr kippt.
Und dann wieder ein Kontextwechsel: Ein Promi trägt dieses Modell. Plötzlich steht die Uhr für Erfolg, Status oder Bewunderung. Vielleicht hältst Du sie jetzt wieder für ein kleines Stück für besser. Vielleicht auch nicht. Aber gleichgültig lässt Dich dieser neue Rahmen selten.
Das Faszinierende daran: Das Objekt selbst hat sich kein einziges Mal verändert. Nur der Kontext drumherum.
Ich glaube, wir unterschätzen massiv, wie oft wir so urteilen. Nicht nur bei Uhren, sondern auch bei Meinungen, Menschen, Ideen, Produkten und bei uns selbst.
Eine Idee wirkt brillant, wenn sie von der „richtigen“ Person kommt. Ein Gedanke erscheint banal, wenn ihn „zu viele“ haben. Ein Mensch wirkt kompetent im einen Umfeld und zweifelhaft im nächsten.
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Mein Aha-Erlebnis der Woche
Kaffee. Zu viel davon sei schlecht fürs Herz, hieß es. Er mache nervös, abhängig, unruhig. Und dann sitzt Du da, bewegst Dich zu wenig, arbeitest zu lange, starrst auf Bildschirme, und sollst Dir auch noch den Kaffee verkneifen? Großartig!
Umso spannender sind die Ergebnisse, die Jessica Stillman in einem Artikel beschreibt. Forscher haben über viele Jahre hinweg die Daten von mehr als 10 000 Menschen ausgewertet und festgestellt: Menschen, die viel sitzen und regelmäßig Kaffee trinken, hatten ein deutlich geringeres Sterberisiko als jene, die ebenso viel sitzen, aber keinen Kaffee trinken. Der Kaffee hat einen Teil der negativen Effekte des vielen Sitzens ausgeglichen. Nicht aufgehoben, aber spürbar abgefedert.
Das ist keine Einladung, Bewegung komplett durch Espresso zu ersetzen. Aber es ist eine spannende Erkenntnis.
Rebecca Seal geht in ihrem Guardian-Artikel noch einen Schritt weiter. Sie räumt mit dem alten Mythos auf, Kaffee sei grundsätzlich schlecht fürs Herz. Die aktuelle Forschung zeichnet ein anderes Bild: Kaffee scheint vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schützen, das Schlaganfallrisiko zu senken und sogar die allgemeine Sterblichkeit zu reduzieren. Dazu kommen Hinweise auf einen Schutz vor Typ-2-Diabetes, Parkinson und kognitivem Abbau. Selbst beim Thema Krebs fällt das Urteil überraschend nüchtern aus. Kaffee erhöht das Risiko nicht, bei einigen Krebsarten scheint er sogar eine schützende Wirkung zu haben.
Das Spannende daran ist das Muster dahinter. Über Jahre hinweg wurden einfache Erzählungen gepflegt: Das ist gut, das ist schlecht. Schwarz oder weiß. Gesund oder ungesund. Die Realität ist oft komplexer. Unser Körper reagiert nicht auf einzelne Faktoren isoliert, sondern auf ein Zusammenspiel aus Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stress, sozialen Kontakten und eben auch kleinen Ritualen wie der täglichen Kaffeepause.
Ashley Richmond verweist auf eine weitere Studie, die zeigt, dass schon moderate Mengen Kaffee zwischen einer halben und drei Tassen pro Tag mit einem deutlich geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle verbunden sind. Kein exzessiver Konsum, sondern regelmäßig, maßvoll, integriert in den Alltag.
Vielleicht ist das der eigentliche Kern dieser Erkenntnisse. Nicht der Kaffee als Wundermittel, sondern die Erlaubnis, Dinge differenzierter zu betrachten. Nicht jeder Genuss ist automatisch schädlich. Nicht jede „ungesunde“ Gewohnheit wirkt in jedem Kontext gleich. Und nicht alles, was sich gut anfühlt, ist gleich verdächtig.
Ich frage mich oft, wie viele unserer täglichen Entscheidungen von alten Glaubenssätzen geprägt sind. Von Regeln, die wir übernommen haben, ohne sie jemals zu hinterfragen. Kaffee ist da nur ein Beispiel. Arbeit, Pausen, Produktivität, Erholung: Überall finden sich ähnliche Narrative. Mehr ist besser. Weniger ist besser. Strenger ist besser. Dabei zeigt die Forschung immer wieder: Balance schlägt Extrem.
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