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Andreas Hobi |
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Neue Perspektiven für Menschen mit Zielen |
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In dieser Ausgabe:
- 🦸 Weshalb es unterschiedliche Charaktere braucht
- 🤝 Weshalb in einer Demokratie alle Meinungen einen Platz haben sollten
- 🍞 Weshalb der Toaster ein Wunderwerk der Zivilisation ist
- 🧠 Mein neuer Online-Kurs für Dein Unternehmen: Zeitmanagement mit KI
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Mein Lesetipp der Woche
Freya India beschreibt in einem Text pointiert, wie wir Menschen heute betrachten: nicht mehr als Charaktere mit Ecken, Kanten, Widersprüchen und Eigenheiten, sondern als wandelnde Diagnosen. Wo wir Menschen früher als großzügig bezeichneten, nennen wir sie heute manipulativ. Menschen, die wir früher als „still“ bezeichneten, betrachten wir heute als autistisch. Ehrgeizige Menschen? Die sind alle von ihrer Kindheit traumatisiert. Was früher einfach „sie ist halt so“ war, wird heute auffällig schnell erklärt, eingeordnet und pathologisiert.
Corinna Hartmann hält dem entgegen. Sie erinnert daran, dass unterschiedliche Charaktere kein Fehler im System sind, sondern dessen Voraussetzung. Vielfalt ist kein gesellschaftlicher Schönheitsfehler, sondern der Grund, warum der Homo sapiens bis heute überlebt hat. Nicht jeder kann ein Top-Performer sein. Nicht jeder muss empathisch, rational, stabil oder belastbar sein. Die Menschheit braucht Gegensätze, um auf Umweltveränderungen reagieren zu können und als Art zu überleben.
Wenn jungen Menschen heute beigebracht wird, dass ihre Persönlichkeit eine Störung ist, dann lernen sie vordergründig eines: sich selbst zu misstrauen. Nicht zu fragen: „Wer bin ich und was kann ich mit meinen Eigenheiten zur Gesellschaft beitragen?“, sondern: „Was stimmt nicht mit mir?“.
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Mein Denkanstoß der Woche
Zu einer demokratischen Gesellschaft gehört etwas, das wir alle gern einfordern und gleichzeitig nur selektiv praktizieren: Toleranz.
Toleranz heißt nicht, dass Du alles gut finden musst. Toleranz heißt auch nicht, dass Du Deine Überzeugungen aufgeben oder weichspülen sollst. Und ganz sicher heißt Toleranz nicht, dass Du allem zustimmen musst, was andere sagen oder denken.
Toleranz heißt etwas Unbequemeres: aushalten, dass es Menschen gibt, deren Ansichten Du für falsch, naiv oder sogar gefährlich hältst, und ihnen trotzdem das Recht zugestehen, diese zu haben.
Das ist die Grundbedingung dafür, dass eine Demokratie funktioniert. Denn eine Gesellschaft, in der nur noch „die Richtigen“ sprechen dürfen, ist keine demokratische Gesellschaft mehr.
Gerade heute scheint mir das wichtig: Wir sind sehr schnell darin geworden, Menschen in Schubladen zu stecken. Sehr schnell im Verurteilen. Sehr langsam im Zuhören.
Dabei ist es erstaunlich einfach, zumindest theoretisch: Du kannst eine Meinung ablehnen, ohne den Menschen dahinter abzulehnen. Du kannst widersprechen, ohne zu entmenschlichen. Du kannst klar Haltung zeigen, ohne andere mundtot machen zu wollen.
Demokratie lebt nicht von Einigkeit. Sie lebt von der Fähigkeit, Differenzen auszuhalten.
Das merke ich jetzt wieder, wo bei mir in der Schweiz (wie alle drei bis vier Monate) Abstimmungen stattfinden. Aktuell stehen diese Fragen zur Diskussion:
- Wollen wir rund 38 Mio. Franken für den Ausbau einer Kantonsstrasse durch die Lammschlucht im Entlebuch (Luzern) ausgeben?
- Wollen wir die Verfügbarkeit von Bargeld und des Schweizer Franken in der Verfassung verankern, sodass das Bargeld nicht abgeschafft und der Schweizer Franken nicht durch eine andere Währung ersetzt werden kann?
- Wollen wir die Radio- und Fernsehabgabe von heute CHF 335 pro Haushalt auf CHF 200 heruntersetzen?
- Wollen wir einen Klimafonds mit einem Betrag von jährlich 0,5 bis 1 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung speisen?
- Wollen wir, dass Verheiratete zukünftig nicht mehr gemeinsam, sondern individuell besteuert werden?
Die Wogen und Meinungen zu diesen Themen gehen hoch, laufen jedoch (zumindest verglichen mit anderen Ländern) relativ zivilisiert ab. Und nach allen Abstimmungen verhalten sich sowohl die „Gewinner“ als auch die „Verlierer“ fair, die Verlierer akzeptieren ihre Niederlage und das Leben geht weiter. Ich möchte nicht wissen, wie es in anderen Ländern nach solchen Abstimmungen aussehen würde, wenn da heute schon davon gesprochen wird, einzelne Menschen oder sogar ganze Parteien von der Gesellschaft und dem Meinungsbildungsprozess auszuschließen …
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Mein Aha-Erlebnis der Woche
Du machst Dir Dein Frühstück. Während Du die Brotscheiben in den Toaster drückst und den Hebel nach unten schiebst, denkst Du vermutlich an vieles: Deine To-do-Liste, den ersten Kaffee oder das Wetter, aber sicher nicht an die globale Logistik, die diesen Moment überhaupt erst ermöglicht. Wir nehmen es als selbstverständlich hin, dass ein Toaster im Laden weniger kostet als ein anständiges Abendessen im Restaurant.
Andrew Leigh erinnert uns in seinem Buch „The Shortest History of Economics“ an ein Experiment, das diese Selbstverständlichkeit auf herrlich absurde Weise entlarvt. Der Designer Thomas Thwaites wollte wissen, was es bedeutet, ein solches Alltagsgerät komplett im Alleingang zu erschaffen. Er suchte nach Eisenerz in alten Minen, schmolz Metall in seiner eigenen Mikrowelle ein und sammelte Müll für das Kunststoffgehäuse. Nach neun Monaten harter Arbeit und Kosten von umgerechnet etwa 20 000 Pfund hielt er einen Toaster in den Händen, der exakt fünf Sekunden überlebte, bevor er unter der Hitze wegschmolz.
Dieses Scheitern ist eigentlich ein Triumph der Zusammenarbeit. Es führt uns vor Augen, wie tief wir in einem Netz aus Spezialisierung stecken, das wir im Alltag kaum noch wahrnehmen. Keiner von uns könnte heute allein überleben, geschweige denn ein warmes Toastbrot genießen, wenn wir nicht auf das Wissen und die Arbeit von Millionen anderer Menschen vertrauen würden, die wir nie kennenlernen. Wir leben in einer Welt, in der die Genialität des Kollektivs den Einzelnen fast schon klein erscheinen lässt, während sie uns gleichzeitig einen Luxus ermöglicht, den kein König vor zweihundert Jahren auch nur erahnen konnte.
Vielleicht schaust Du Deinen Toaster morgen früh mit etwas mehr Ehrfurcht an, jetzt, wo Du weißt, dass er ein kleines Wunderwerk der Zivilisation ist.
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Aus meiner Feder
Feste Termine. Volle Kalender. Ein Dozent, der dann verfügbar ist, wenn niemand Zeit hat: kein Wunder, dass so viel Wissen aus Weiterbildungen verpufft, bevor es im Arbeitsalltag ankommt. Gemeinsam mit der Confidos Akademie habe ich deshalb einen anderen Ansatz gewählt: asynchron, alltagstauglich und mit einem KI-Coach, der nie müde wird. In diesem Artikel beschreibe ich, warum klassische Trainings strukturell an ihre Grenzen stoßen und wie zeitgemäße Weiterbildung heute aussehen kann. 👉 Lesen. Weiterleiten. Intern diskutieren. Vor allem mit den Menschen, die über Deine Weiterbildung entscheiden.
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