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Zwischen den Zeilen #267: Zehn Vorhersagen für das Jahr 2036

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Zwischen den Zeilen

Jede Woche neue Impulse zu besseren Entscheidungen, moderner Wissensarbeit und dem bewussten Umgang mit KI. Für Menschen, die lernen möchten, wirksam zu sein, ohne getrieben zu sein. Kostenlos. Seit über fünf Jahren. Jede Woche.

2036: Wir werden uns wundern, wie wir heute leben

Während Du diese Zeilen liest, bin ich gerade in Walt Disney World in Orlando. Ein Ort, an dem man den Alltag vergessen und in andere Welten eintauchen kann. Allerdings ist das mit dem Vergessen des Alltags so eine Sache. Wer hier möglichst viel erleben möchte, braucht ein erstaunlich gutes Zeitmanagement.

Vier Themenparks und zwei Wasserparks (davon einer geschlossen) mit täglich wechselnden Öffnungszeiten, Wartezeiten, die von unzähligen Faktoren abhängen, speziellen Veranstaltungen, die sich auf die Besucherströme in sämtlichen Parks auswirken, und verschiedenen Zusatzangeboten, mit denen man sich gegen Aufpreis das Anstehen ersparen kann. Den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach.

Deshalb habe ich mir für die Planung gleich drei KI-Helfer zur Seite geholt: ChatGPT für die komplexen Berechnungen und Strategien, Sentience als eine Art übergeordneten Projektmanager und Instinct als KI-Agent für Aufgaben, bei denen es darum ging, tatsächlich etwas zu erledigen. Wie die drei zusammengearbeitet haben, was sie dabei geleistet haben und wo ihre Grenzen liegen, erzähle ich Dir im nächsten Newsletter. Nur so viel vorweg: ChatGPT hat für unsere Reise nicht weniger als 250 mögliche Varianten eines Freizeitparkbesuchs simuliert.

Ich habe mich in den vergangenen Wochen jedenfalls ausgiebig mit der Frage beschäftigt, wie ich meine Zeit in Orlando möglichst gut nutzen kann. Und dabei kam mir ein Gedanke: Wie werden wir in zehn Jahren mit unserer Zeit umgehen? Wie werden wir arbeiten, unseren Alltag organisieren und entscheiden, womit wir unsere Zeit verbringen?

Also habe ich zehn Vorhersagen für das Jahr 2036 zusammengestellt. Einige halte ich für wahrscheinlich, andere sind gewagt, vielleicht sogar verrückt. Aber hinter jeder steckt eine Entwicklung, die es wert ist, weitergedacht zu werden.

Und in zehn Jahren können wir gemeinsam schauen, wie sehr ich danebenlag.

1. KI-Assistenten übernehmen 80 Prozent unserer Selbstorganisation.

Im Jahr 2036 nutzen die meisten Menschen mindestens einen persönlichen KI‑Assistenten. Und dieser übernimmt einen Großteil ihrer alltäglichen Selbstorganisation: Er vereinbart Termine, plant Reisen, erledigt administrative Aufgaben, koordiniert Verpflichtungen und sorgt dafür, dass wichtige Dinge rechtzeitig geschehen. Er kennt die Gewohnheiten, Interessen und Vorlieben seines Benutzers und kann viele Entscheidungen eigenständig treffen.

Erinnerst Du Dich noch daran, wie wir früher Telefonnummern auswendig kannten? Oder wie wir Straßenkarten verwendeten, um den Weg zu einem unbekannten Ort zu finden? So werden wir 2036 auf unser heutiges Aufgaben- und Terminmanagement zurückblicken.

Die ersten Ansätze sehen wir bereits heute. KI-Assistenten können Termine koordinieren, Informationen beschaffen und zunehmend selbstständig Aufgaben erledigen. Noch funktioniert das längst nicht immer zuverlässig. Aber zehn Jahre sind in der Technologieentwicklung eine verdammt lange Zeit.

Meine Vorhersage: Die nächste Generation wird sich wundern, weshalb wir jemals so viel Zeit damit verbracht haben, unseren Alltag zu organisieren.

2. Die E-Mail-Flut ist Geschichte. Dafür kommunizieren unsere KI-Assistenten milliardenfach miteinander.

Als der Geschäftsbrief noch das wichtigste Kommunikationsmittel war, überlegte man sich genau, was man wem mitteilen wollte. Schließlich musste jeder Brief geschrieben, verschickt und dem Empfänger durch die Post zugestellt werden.

Dann kam die E‑Mail. Plötzlich ließen sich Nachrichten praktisch kostenlos und innerhalb von Sekunden verschicken. Die Folge kennen wir: Statt weniger Zeit mit Kommunikation zu verbringen, verbringen viele Menschen heute einen beträchtlichen Teil ihres Arbeitstages damit.

Mit Slack, Microsoft Teams und ähnlichen Werkzeugen wurde die Kommunikation nochmals einfacher. Und umfangreicher.

Bis 2036 erleben wir die nächste Eskalationsstufe: Unsere persönlichen KI-Assistenten (siehe Punkt 1) tauschen rund um die Uhr Informationen untereinander aus. Sie verhandeln Termine, koordinieren Projekte, beantworten Rückfragen und treffen Absprachen. Das meiste davon geschieht ohne menschliche Beteiligung.

Sogar Meetings finden zwischen KI-Assistenten statt. Was absurd klingt, ist bereits heute Realität: Beim Unternehmen Sentience beschreibt Gründer Sam Kececi, wie digitale Stellvertreter interne Abstimmungen übernehmen, während die Mitarbeitenden erst bei Bedarf hinzugezogen werden.

Meine Vorhersage: 2036 lesen wir Menschen wesentlich weniger E-Mails und Kurznachrichten als heute. Gleichzeitig hat sich die Gesamtzahl der ausgetauschten Nachrichten vervielfacht.

Die digitale Kommunikation erreicht einen neuen Höchststand. Nur bekommen wir erfreulich wenig davon mit.

3. Wer ständig erreichbar ist, gilt als schlecht organisiert.

Heute gibt es noch immer Menschen, die stolz darauf sind, selbst abends, am Wochenende und während der Ferien berufliche Nachrichten zu beantworten.

2036 dürfte das zumindest in vielen Wissensberufen anders aussehen: Während wir Feierabend machen, bleibt unser digitaler Assistent erreichbar. Und der ist weit mehr als ein automatischer Anrufbeantworter, der ein paar vorgefertigte Antworten verschickt.

Er kennt unsere laufenden Projekte, geschäftlichen Verpflichtungen, Termine und Prioritäten. Er weiß, welche Entscheidungen wir in der Vergangenheit getroffen haben, welche Absprachen mit Kunden bestehen und welche Aufgaben gerade bearbeitet werden. Und er kann auf unsere beruflichen Unterlagen, Korrespondenz und andere freigegebene Informationen zugreifen. Dieses Wissen nutzt er, um selbstständig Fragen zu beantworten, Entscheidungen vorzubereiten oder ganze Aufgaben zu erledigen.

Was nach ferner Zukunft klingt, ist in Ansätzen bereits heute möglich. KI-Assistenten wie Sentience oder Instinct zeigen, wie digitale Systeme Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen und zunehmend eigenständig handeln können. Noch gibt es technische Grenzen. Aber bis 2036 dürften diese Systeme einen großen Teil unseres beruflichen Wissens und unserer Arbeitszusammenhänge zuverlässig verfügbar haben.

Unser digitaler Stellvertreter könnte deshalb in vielen Situationen genauso gut Auskunft geben wie wir selbst. Bei bestimmten Fragen möglicherweise sogar besser: Er vergisst keine dokumentierte Absprache und kann innerhalb von Sekunden Informationen aus Tausenden Unterlagen zusammenführen.

Natürlich wird es weiterhin Angelegenheiten geben, die unser persönliches Urteil erfordern. Eine wichtige Aufgabe unseres Assistenten wird deshalb darin bestehen, zu erkennen, wann er selbst handeln kann und wann er uns hinzuziehen muss.

Das dürfte auch unsere Vorstellungen von beruflichem Engagement verändern.

Wer 2036 noch immer jede Nachricht persönlich beantwortet und für jede Kleinigkeit erreichbar sein muss, erntet keine Bewunderung mehr. Sondern die Frage, weshalb er seinen digitalen Assistenten offenbar nicht richtig im Griff hat.

4. Für menschliche Aufmerksamkeit müssen wir extra bezahlen.

Wenn Du im Jahr 2036 Deine Bank, Deine Versicherung oder einen Reiseveranstalter kontaktierst, hast Du zwei Möglichkeiten: Ein digitaler Assistent beantwortet Deine Fragen kostenlos, jederzeit und ohne Wartezeit, oder Du sprichst mit einem Menschen, von Angesicht zu Angesicht oder am Telefon; das kostet dann aber.

Was zunächst nach einer kundenfeindlichen Entwicklung klingt, könnte in zehn Jahren normal sein. Denn während KI-Systeme immer leistungsfähiger werden und sich ihre Dienstleistungen zu geringen Kosten anbieten lassen, bleibt die Zeit eines Menschen begrenzt. Und das insbesondere bei Fachkräftemangel und Geburtenrückgang.

Persönliche Beratung, individuelle Begleitung und die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Experten entwickeln sich deshalb zunehmend zu Premiumleistungen.

5. Niemand interessiert sich mehr dafür, wie viele Stunden Du arbeitest.

Diese Vorhersage liegt mir besonders am Herzen. Seit Jahrzehnten beurteilen wir berufliches Engagement häufig danach, wie viel Zeit jemand mit seiner Arbeit verbringt. Wer lange im Büro sitzt, gilt als fleißig. Wer pünktlich Feierabend macht, muss sich rechtfertigen.

Dabei sagt die Anzahl geleisteter Arbeitsstunden wenig über den tatsächlichen Wert der Arbeit aus. Wenn jemand eine Aufgabe in zwei Stunden hervorragend erledigt, weshalb sollte er dafür schlechter bezahlt werden als jemand, der acht Stunden benötigt, aber kein besseres Resultat liefert?

2036 hat sich diese Erkenntnis in weiten Teilen der Unternehmenswelt durchgesetzt. Mitarbeitende werden zunehmend für ihre Ergebnisse, deren Qualität und den geschaffenen Wert bezahlt. Wie viel Zeit sie dafür brauchen, spielt bei der Leistungsbeurteilung keine Rolle.

Es wird weiterhin Berufe geben, bei denen Anwesenheit und Arbeitszeit entscheidend sind. Auch Arbeitszeitgesetze und Mindestruhezeiten bei sicherheitsrelevanten Berufen werden nicht verschwinden. Aber die Vorstellung, dass acht Stunden Arbeit grundsätzlich wertvoller sind als vier, hat im Jahr 2036 an Bedeutung verloren.

6. Der klassische Arbeitstag von 8 bis 17 Uhr ist für viele Wissensarbeiter Geschichte.

Wenn Ergebnisse wichtiger werden als die dafür aufgewendete Zeit, verliert auch die Frage an Bedeutung, wann jemand arbeitet.

2036 beginnt der Arbeitstag vieler Wissensarbeiter deshalb nicht mehr zu einer festgelegten Uhrzeit. Manche arbeiten morgens drei Stunden, unternehmen nachmittags etwas und setzen sich abends nochmals an den Computer. Andere erledigen ihre anspruchsvollsten Aufgaben spätabends, weil sie dann am besten denken können.

Feste Arbeitszeiten gibt es weiterhin dort, wo sie tatsächlich notwendig sind. In zahlreichen anderen Berufen sind sie aber längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

Das könnte eine der größten Veränderungen unseres Arbeitsalltags werden: Wir müssen unser Privatleben immer seltener um starre Arbeitszeiten herum organisieren. Allerdings bringt diese Freiheit auch eine neue Herausforderung mit sich. Wer jederzeit arbeiten kann, muss umso besser entscheiden können, wann er es bleiben lässt.

7. Der klassische Vollzeitjob bei einem einzigen Arbeitgeber wird zum Auslaufmodell.

Im Jahr 2036 arbeiten viele hochqualifizierte Wissensarbeiter nicht mehr ausschließlich für ein einziges Unternehmen. Stattdessen haben sie mehrere Auftraggeber und unterschiedliche Tätigkeiten.

Eine Marketingexpertin arbeitet zwei Tage pro Woche für ein mittelständisches Unternehmen, betreut daneben mehrere kleinere Kunden und entwickelt zusätzlich eigene Produkte. Ein Softwareentwickler übernimmt Projekte für drei unterschiedliche Unternehmen. Eine Führungskraft arbeitet als externe Beraterin für mehrere Organisationen. Möglich wird das durch flexiblere Arbeitsmodelle, digitale Zusammenarbeit und technische Werkzeuge, die den administrativen Aufwand reduzieren.

Dieses Modell birgt auch Risiken. Wer mehrere Auftraggeber hat, muss sich selbst um Aufträge, Absicherung und seine wirtschaftliche Stabilität kümmern. Trotzdem wage ich die Prognose: Für hochqualifizierte Wissensarbeiter wird die langfristige Bindung an einen einzigen Arbeitgeber bis 2036 an Attraktivität verlieren. Und der klassische Vollzeitjob bei nur einem Unternehmen wird in manchen Berufsgruppen bereits die Ausnahme sein.

8. Das gemeinsame Wochenende verliert seine Bedeutung.

Diese Vorhersage beginnt mit einer erfreulichen Entwicklung: Immer mehr Menschen können selbst bestimmen, wann sie arbeiten und wann sie freihaben. Das haben wir in den vorherigen Punkten bereits gesehen. Doch diese Freiheit hat einen Nebeneffekt, über den wir heute noch wenig sprechen: Wenn der eine am Sonntag arbeitet und dafür am Dienstag freihat, die andere ihre Aufgaben lieber abends erledigt und ein Dritter sich den Freitag freihält, wird gemeinsame Freizeit zunehmend schwieriger zu organisieren.

2036 ist deshalb für viele Menschen das Wochenende kein selbstverständlicher gemeinsamer Freizeitblock mehr.

Familien und Freundeskreise müssen ihre freie Zeit immer sorgfältiger koordinieren. Ein gemeinsamer Ausflug, ein Abendessen oder ein spontanes Treffen verlangen teilweise genauso viel Planung wie heute ein geschäftlicher Termin.

Schulen, gesellschaftliche Traditionen und viele Berufe werden dafür sorgen, dass Samstag und Sonntag nicht ganz verschwinden. Aber ihre bisherige Bedeutung könnte spürbar abnehmen.

Wir gewinnen persönliche Freiheit über unsere Zeit. Gleichzeitig müssen wir feststellen, dass gemeinsame Freizeit nicht automatisch entsteht, nur weil jeder Einzelne seine Zeit freier einteilen kann.

9. Unternehmen belohnen Mitarbeitende dafür, unnötige Arbeit dauerhaft abzuschaffen.

In vielen Unternehmen haben sich über Jahrzehnte hinweg Aufgaben, Berichte, Abstimmungen und Genehmigungsprozesse angesammelt. Manche davon erfüllen längst keinen sinnvollen Zweck mehr. Trotzdem werden sie gewissenhaft weitergeführt, häufig einfach deshalb, weil es schon immer so gemacht wurde.

2036 könnte sich das grundlegend ändern. Fortschrittliche Unternehmen werden ihre Mitarbeitenden gezielt dazu ermutigen, bestehende Aufgaben und Prozesse zu hinterfragen. Und sie werden diejenigen ausdrücklich belohnen, denen es gelingt, überflüssige Arbeit dauerhaft zu beseitigen.

Wer nachweisen kann, dass ein regelmäßiger Bericht keinen relevanten Erkenntnisgewinn liefert, schafft ihn ab. Wer einen komplizierten Genehmigungsprozess vereinfacht, spart dem Unternehmen und seinen Mitarbeitenden wertvolle Zeit. Und wer erkennt, dass sich ein bestimmtes Problem inzwischen auf andere Weise lösen lässt, darf auch jahrzehntelang etablierte Abläufe infrage stellen.

Solche Verbesserungen gelten als eigenständige Leistungen und werden entsprechend honoriert. Dahinter steckt ein Gedanke, den wir im Arbeitsalltag viel zu selten berücksichtigen: Jahrzehntelang haben wir uns vor allem damit beschäftigt, wie wir unsere Arbeit schneller und effizienter erledigen können. Die wichtigere Frage haben wir dabei oft vernachlässigt: Weshalb erledigen wir diese Arbeit überhaupt?

Meine Vorhersage: Im Jahr 2036 gehören diejenigen zu den wertvollsten Mitarbeitenden eines Unternehmens, die besonders gut darin sind, unnötige Arbeit zu erkennen und dauerhaft überflüssig zu machen.

10. Zeitarmut wird zu einem politischen Thema, ähnlich wie Einkommensarmut.

Seit Jahrzehnten beschäftigen wir uns intensiv mit der Frage, wie viel Geld Menschen zur Verfügung steht. Wir vergleichen Einkommen, untersuchen Vermögensunterschiede und diskutieren darüber, welche finanziellen Unterstützungen für ein gutes Leben notwendig sind.

Aber wie viel frei verfügbare Zeit haben Menschen? Und wie selbstbestimmt können sie darüber entscheiden? Schließlich lässt sich Zeit nicht beliebig vermehren. Trotzdem spielt sie in unseren gesellschaftlichen Wohlstandsdebatten bislang eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Zeitarmut kann unterschiedliche Ursachen haben: lange Arbeitswege, starre Arbeitszeiten, familiäre Betreuungspflichten, administrative Verpflichtungen oder schlicht die Schwierigkeit, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren.

Zwar untersuchen Statistiker bereits heute, wie Menschen ihre Zeit verbringen. Im Jahr 2036 könnte daraus aber eine eigenständige politische Debatte entstanden sein.

Meine gewagte Vorhersage: Mindestens ein europäisches Land veröffentlicht regelmäßig einen offiziellen Zeitwohlstandsindex. Er misst nicht nur, wie viel freie Zeit den Menschen zur Verfügung steht, sondern auch, in welchem Ausmaß sie selbst darüber bestimmen können.

Die Ergebnisse fließen in politische Entscheidungen ein. Bei der Gestaltung von Arbeitsmodellen, der Organisation öffentlicher Dienstleistungen oder dem Ausbau von Betreuungsangeboten wird zunehmend berücksichtigt, welche Auswirkungen solche Maßnahmen auf die verfügbare Lebenszeit der Bevölkerung haben.

Damit könnte sich sogar unser Verständnis von gesellschaftlichem Wohlstand verändern. Denn ob Menschen ein gutes Leben führen können, hängt nicht ausschließlich davon ab, was sie sich finanziell leisten können. Es kommt auch darauf an, ob ihnen genügend Zeit für das bleibt, was ihnen wichtig ist.

Wir werden 2036 deshalb nicht mehr nur darüber diskutieren, wie wohlhabend eine Gesellschaft ist. Sondern auch darüber, wie viel Zeit ihre Menschen tatsächlich zum Leben haben.


Das sind meine zehn Vorhersagen für 2036.

Bei manchen bin ich zuversichtlich. Bei anderen wäre ich schon überrascht, wenn sie so eintreffen. Und manche könnten schon in den nächsten Jahren eintreffen. Aber gerade das macht solche Gedankenspiele interessant: Sie zwingen uns, Entwicklungen weiterzudenken, deren Konsequenzen wir heute noch gar nicht richtig einschätzen können.

Am 1. November 2036 werde ich Bilanz ziehen. Den Termin könnte ich schon heute in meinen Kalender eintragen. Andererseits: Wenn meine erste Vorhersage stimmt, sollte sich mein persönlicher KI-Assistent bis dahin längst selbst darum kümmern können und mich dann daran erinnern, dass ich damals, vor 10 Jahren, diese Prognose gemacht habe.

Zwischen den Zeilen

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