Jede Woche neue Impulse zu besseren Entscheidungen, moderner Wissensarbeit und dem bewussten Umgang mit KI. Für Menschen, die lernen möchten, wirksam zu sein, ohne getrieben zu sein. Kostenlos. Seit über fünf Jahren. Jede Woche.
Wie schnell reitest Du in die falsche Richtung?Es gibt eine Geschichte über einen Mann, der auf einem Pferd die Straße entlanggaloppiert. Das Pferd ist schnell, der Reiter wirkt, als hätte er es ausgesprochen eilig. Ein Mann am Straßenrand ruft ihm zu: „Wohin reitest Du?“ Der Reiter antwortet: „Ich weiß es nicht. Frag das Pferd!“ Ich mag diese Geschichte, weil sie genau beschreibt, wie viele von uns mit ihrer Zeit umgehen. Wir sind ständig unterwegs, haben Termine, Verpflichtungen, Aufgaben. Wir reagieren auf Nachrichten, beantworten E-Mails, arbeiten Listen ab und versuchen, mit allem Schritt zu halten. Das Pferd, auf dem wir sitzen, kann dabei vieles sein: unser Beruf, unser Kalender, das Smartphone, Erwartungen anderer Menschen oder schlicht Gewohnheiten, die sich eingeschlichen haben. Und je schneller dieses Pferd läuft, desto schwieriger wird es, sich eine naheliegende Frage zu stellen: Will ich überhaupt dorthin, wo es mich gerade hinträgt? Das Gemeine daran ist, dass der Reiter von außen ausgesprochen zielstrebig wirkt. Er ist schnell unterwegs, offensichtlich beschäftigt und scheint zu wissen, was er tut. Nur auf die wichtigste Frage hat er keine Antwort: Wohin eigentlich? Ich glaube, hier liegt eine der größten Fallen beim Umgang mit unserer Zeit: Wir verwechseln Bewegung mit Fortschritt. Ein voller Kalender fühlt sich produktiv an. Eine lange Aufgabenliste gibt uns das Gefühl, etwas voranzubringen. Und wenn wir am Abend erschöpft sind und eine Menge erledigt haben, war es vermutlich ein erfolgreicher Tag. Oder? Nicht unbedingt. Denn all das sagt noch nichts darüber aus, ob wir unsere Zeit mit den richtigen Dingen verbracht haben. Man kann schließlich auch ausgesprochen effizient in die falsche Richtung galoppieren. Das ist sogar tückischer, als überhaupt nicht voranzukommen. Wenn wir stehen bleiben, merken wir irgendwann, dass wir stehen. Wenn wir dagegen ständig beschäftigt sind, bekommen wir permanent das Gefühl vermittelt, dass etwas vorangeht. Deshalb beginnt gutes Zeitmanagement für mich nicht mit der Frage: „Wie schaffe ich noch mehr?“ Die wichtigere Frage kommt vorher: „Was davon sollte ich überhaupt tun?“ Das klingt zunächst banal. In der Praxis ist es das nicht. Denn um diese Frage beantworten zu können, müssen wir gelegentlich etwas tun, das sich erst einmal nicht produktiv anfühlt: die Zügel in die Hand nehmen und das Pferd zum Stehen bringen. Nicht sofort zur nächsten Aufgabe springen. Nicht jede freie Viertelstunde wieder verplanen. Nicht einfach weitermachen, nur weil wir schon seit Monaten oder Jahren in dieselbe Richtung unterwegs sind. Sondern uns gelegentlich fragen: „Wo will ich eigentlich hin? Was ist mir im Moment wichtig? Welche meiner Verpflichtungen sind tatsächlich notwendig? Und welche bestimmen meinen Alltag vor allem deshalb, weil ich mich an sie gewöhnt habe?“ Das betrifft übrigens längst nicht nur die Arbeit. Auch bei unserer Freizeit, unseren Beziehungen, unserem Konsum oder unseren persönlichen Zielen können wir jahrelang einem bestimmten Muster folgen, ohne zu überprüfen, ob es überhaupt zu dem Leben passt, das wir führen wollen. Natürlich können und sollten wir nicht jeden Morgen unser gesamtes Leben infrage stellen. Routinen und Gewohnheiten sind sinnvoll. Sie nehmen uns Entscheidungen ab und sorgen dafür, dass wir nicht über jede Kleinigkeit neu nachdenken müssen. Problematisch wird es erst, wenn aus einem hilfreichen Autopiloten irgendwann unbemerkt eine Fremdsteuerung wird. Deshalb besteht eine der wichtigsten Fähigkeiten im Zeitmanagement gar nicht darin, das eigene Pferd immer schneller laufen zu lassen, sondern darin, gelegentlich die Zügel in die Hand zu nehmen. |
Jede Woche neue Impulse zu besseren Entscheidungen, moderner Wissensarbeit und dem bewussten Umgang mit KI. Für Menschen, die lernen möchten, wirksam zu sein, ohne getrieben zu sein. Kostenlos. Seit über fünf Jahren. Jede Woche.