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Zwischen den Zeilen #258: Wann wird Fortschritt unnatürlich?

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Zwischen den Zeilen

Jede Woche neue Impulse zu besseren Entscheidungen, moderner Wissensarbeit und dem bewussten Umgang mit KI. Für Menschen, die lernen möchten, wirksam zu sein, ohne getrieben zu sein. Kostenlos. Seit über fünf Jahren. Jede Woche.

Wann wird Fortschritt unnatürlich?

Douglas Adams, der Autor von „Per Anhalter durch die Galaxis“, hat einmal drei herrlich einfache Regeln dafür formuliert, wie wir auf neue Technologien reagieren:

  1. Alles, was es auf der Welt gibt, wenn du geboren wirst, ist normal und alltäglich und ein natürlicher Teil davon, wie die Welt funktioniert.
  2. Alles, was zwischen deinem fünfzehnten und fünfunddreißigsten Lebensjahr erfunden wird, ist neu, aufregend und revolutionär, und du kannst damit wahrscheinlich Karriere machen.
  3. Alles, was nach deinem fünfunddreißigsten Lebensjahr erfunden wird, widerspricht der natürlichen Ordnung der Dinge.

Damit liegt er aus meiner Sicht nicht ganz falsch. Denn wir beurteilen neue Technologien längst nicht so objektiv, wie wir gerne glauben. Wir vergleichen sie nicht mit einem neutralen Idealzustand. Wir vergleichen sie mit der Welt, an die wir uns gewöhnt haben.

Und was wir gewohnt sind, halten wir für normal.

Wenn jemand eine Information googelt, statt sie in einem Lexikon nachzuschlagen, findet das niemand ungewöhnlich. Wenn Google Maps entscheidet, welche Route wir nehmen sollen, ebenfalls nicht. Kaum jemand sitzt im Auto und sorgt sich ernsthaft darum, dass wir gerade unsere Fähigkeit zur autonomen Wegefindung verlieren.

Aber sobald jemand ChatGPT fragt, wie er ein Problem strukturieren, einen Text verbessern oder eine schwierige Entscheidung durchdenken könnte, steht plötzlich eine ganz andere Frage im Raum:

Denken wir dann überhaupt noch selbst?

Die Frage ist berechtigt.

Spannend ist nur, wie selektiv wir sie stellen.

Denn viele Technologien, die längst selbstverständlich zu unserem Alltag gehören, nehmen uns ebenfalls Fähigkeiten ab. Taschenrechner rechnen für uns. Navigationssysteme orientieren sich für uns. Suchmaschinen merken sich für uns, wo Informationen zu finden sind. Und Kalender erinnern uns sogar daran, woran wir uns erinnern wollten.

Trotzdem empfinden wir all das kaum noch als Kontrollverlust.

Vielleicht nicht, weil diese Technologien grundsätzlich harmloser sind. Sondern schlicht, weil sie schon lange genug da sind.

Sie fühlen sich normal an.

Und hier liegt für mich eine der interessantesten Fragen im Umgang mit KI: Wie unterscheiden wir berechtigte Skepsis von bloßer Fremdheit?

Das ist gar nicht so einfach.

„Damit fühle ich mich unwohl“ sagt zunächst einmal etwas über mich aus. Aber noch nicht unbedingt viel über die Technologie. Umgekehrt ist Begeisterung genauso wenig ein Beweis dafür, dass eine neue Technologie sinnvoll ist. Wer alles Neue ablehnt, weil es Gewohntes verändert, macht es sich genauso einfach wie jemand, der alles Neue großartig findet, nur weil es neu ist.

Vielleicht sollten wir deshalb bei KI weniger Grundsatzdebatten führen und mehr ausprobieren.

Nicht fragen:

„Sollte man KI zum Denken verwenden?“

Sondern:

„Bei welchen Aufgaben hilft mir KI, besser zu denken, und bei welchen macht sie mich nur bequemer?“

Nicht:

„Wird KI uns Fähigkeiten wegnehmen?“

Sondern:

„Welche Fähigkeiten möchte ich bewusst behalten, obwohl ich sie an KI delegieren könnte?“

Douglas Adams lässt seine dritte Regel mit 35 Jahren beginnen. Über die Zahl kann man streiten. Über den Mechanismus dahinter eher nicht.

Zwischen den Zeilen

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