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Zwischen den Zeilen #247: Das Jahr 1911 und die Angst vor der Elektrizität

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Zwischen den Zeilen

Künstliche Intelligenz wird Deinen Alltag verändern. Die Frage ist nur, ob Du davon profitierst oder zuschaust, während andere längst weiter sind. Die meisten nutzen KI wie ein besseres Google und bleiben damit weit unter ihren Möglichkeiten, während gleichzeitig Zeitmanagement oft noch so gedacht wird wie vor 20 Jahren. Genau hier setzt mein Newsletter an: Ich zeige Dir, wie Du KI konkret nutzt, um klarer zu arbeiten, bessere Entscheidungen zu treffen und Dir im Alltag einen Vorsprung zu verschaffen, den die meisten noch nicht einmal erkennen. Einfach, direkt anwendbar und ohne technisches Vorwissen. Wenn Du das nicht nur beobachten, sondern für Dich nutzen willst, melde Dich hier an.

Andreas Hobi

Neue Perspektiven
für Menschen mit Zielen


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In dieser Ausgabe:

  • 🔌 Das Jahr 1911 und die Angst vor der Elektrizität
  • 🗳️ Wer abstimmt, soll auch die Folgen tragen müssen

Mein Lesetipp der Woche

Als die Elektrizität Anfang des 20. Jahrhunderts ihren Durchbruch erlebte, begegneten ihr viele Menschen mit Skepsis, manche sogar mit Angst.

In ihrem Blogartikel „8 Inventions That Once Freaked People Out Way More Than A.I.“ zitiert Carlyn Beccia eine Warnung aus dem Jahr 1911. Damals erklärte der Arzt Dr. James Metcalfe, Elektrizität könne Neurasthenie auslösen. Hinter diesem heute längst überholten Begriff verbarg sich ein Sammelsurium von Beschwerden wie Müdigkeit, Angstzuständen, Reizbarkeit, antisozialem Verhalten und allgemeiner „Verrücktheit“.

Metcalfes Diagnose war eindeutig: Elektrizität (in den Geräten um uns herum) sei schlicht zu stimulierend für das menschliche Gehirn.

Heute wirkt diese Befürchtung fast komisch. Kaum jemand würde ernsthaft behaupten, dass die Wohnzimmerlampe oder die Kaffeemaschine unsere psychische Gesundheit bedrohen.

Wir neigen dazu, über die Ängste früherer Generationen zu schmunzeln; gleichzeitig übersehen wir oft, wie ähnlich unsere eigenen Reaktionen auf neue Technologien ausfallen. Heute heißt eine der vermeintlichen Bedrohungen nicht mehr Elektrizität, sondern künstliche Intelligenz.

Auch bei KI reichen die Warnungen von gesellschaftlichem Niedergang über den Verlust wichtiger Fähigkeiten bis hin zur Frage, ob ganze Berufsgruppen überflüssig werden könnten. Manche dieser Sorgen sind berechtigt. Andere erinnern erstaunlich stark an das, was Dr. Metcalfe vor über hundert Jahren formulierte: Diese Technologie ist zu viel für den Menschen.

Dabei lag die eigentliche Gefahr der Elektrizität nie in der Elektrizität selbst. Entscheidend war, was die Menschen mit ihr machten. Plötzlich konnte länger gearbeitet werden. Fabriken produzierten rund um die Uhr. Geschäfte blieben länger geöffnet. Aber ja, natürlich konnte die Elektrizität immer schon auch für schlechte Dinge missbraucht werden; die guten Dinge aber überwiegen klar.

Elektrizität veränderte nicht nur die Welt, sondern auch Gewohnheiten, Erwartungen und Verhaltensweisen. Deshalb sollten wir uns nicht fragen: Was macht KI mit uns? Sondern: Was machen wir mit KI?

Nutzen wir sie, um noch mehr Aufgaben in ohnehin volle Tage zu pressen? Optimieren wir damit jede freie Minute? Oder setzen wir sie dort ein, wo sie uns tatsächlich entlastet und Freiräume schafft, um, wie ich es nenne, „gelassene Klarheit“ zu bekommen? Dort entscheidet es sich, ob eine Technologie zum hilfreichen Werkzeug wird oder zur zusätzlichen Belastung.

Vielleicht wird man in hundert Jahren auf unsere Diskussionen über KI zurückblicken. Und vielleicht stellt sich dann heraus, dass die wichtigste Frage nie war, was KI kann, sondern welche Verhaltensweisen wir durch sie verstärken.

Mein Denkanstoß der Woche

Diese Frage sorgt regelmäßig für Diskussionen. Mal geht es um das Wahlalter, mal um die Staatsbürgerschaft, mal um andere Voraussetzungen.

Vor ein paar Tagen bin ich auf einen interessanten Gedanken aus der römischen Gesellschaft gestoßen. Dort war politische Mitsprache eng mit Grundbesitz verbunden. Wer Land besaß, hatte mehr Einfluss auf politische Entscheidungen. Dahinter stand unter anderem die Überlegung, dass diese Menschen besonders eng mit ihrem Gemeinwesen verbunden waren. Sie konnten nicht einfach weiterziehen, wenn ihnen eine Entwicklung nicht gefiel. Sie lebten dort, wo die Folgen politischer Entscheidungen sichtbar und spürbar wurden.

Unabhängig davon, wie man dieses System heute bewertet, steckt darin ein bemerkenswerter Gedanke: Menschen entscheiden oft anders, wenn sie die Konsequenzen ihrer Entscheidungen selbst tragen müssen.

Oder einfacher gesagt: Wer die Rechnung bezahlt, schaut genauer hin.

Deshalb lohnt sich auch ein Blick auf unsere heutigen Demokratien.

Wenn wir abstimmen oder wählen, entscheiden wir nicht nur über das Hier und Jetzt. Viele politische Beschlüsse entfalten ihre Wirkung erst Jahre oder sogar Jahrzehnte später. Man denke an Staatsverschuldung, Infrastrukturprojekte, Rentensysteme, Energiepolitik oder Einwanderungsfragen.

Deshalb stelle ich mir eine andere Frage: Wie stark spüren die Menschen, die heute eine Entscheidung treffen, später auch deren Folgen?

Wer langfristig an einem Ort lebt, erlebt die Auswirkungen oft unmittelbar. Andere dagegen kaum oder gar nicht. Wer heute für höhere Staatsausgaben stimmt, wird die daraus entstehenden Kosten möglicherweise nie selbst tragen. Wer einer Reform zustimmt, erlebt ihre langfristigen Nebenwirkungen vielleicht nicht mehr, weil er längst weggezogen ist. Und wer politische Risiken befürwortet, muss die Folgen eines möglichen Scheiterns oft nicht persönlich ausbaden.

Das ist kein Vorwurf. Es ist vielmehr ein grundsätzliches Merkmal jeder Demokratie.

Politische Entscheidungen verteilen ihre Konsequenzen selten gleichmäßig. Ein Teil der Rechnung landet häufig bei anderen Menschen oder bei Generationen, die zum Zeitpunkt der Abstimmung noch gar keine Stimme hatten.

Vielleicht erklärt das auch, weshalb kurzfristige Versprechen oft so verlockend wirken. Man selbst hat sofort einen Nutzen, die Kosten tragen später andere.

Wer davon ausgeht, die Folgen einer Entscheidung selbst tragen zu müssen, stellt andere Fragen. Nicht nur: „Was bringt mir das heute?“, sondern auch: „Wie sieht die Situation in zehn oder zwanzig Jahren aus?“ Und vielleicht noch wichtiger: „Wäre ich bereit, mit allen Konsequenzen dieser Entscheidung selbst zu leben?“

Vielleicht sollten wir politische Vorschläge häufiger durch diesen Filter betrachten:

Würde ich immer noch dafür stimmen, wenn ich sämtliche Folgen persönlich tragen müsste?


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