Mein Denkanstoß der Woche
Wir leben in einer Zeit, in welcher KI Deine Antworten formuliert, bevor Du Dir selbst eine klare Meinung gebildet hast.
Wie viele echte Entscheidungen triffst Du dabei noch selbst?
Ich verstehe, warum das verlockend ist. Jede gute Entscheidung hat ihren Preis: Zeit, Aufmerksamkeit, Energie. Genau die Ressourcen, die im Alltag ohnehin knapp sind. Also ist es nur konsequent, diese Last abzugeben. Nur hat das eine Kehrseite: Wenn Du aufhörst zu entscheiden, hörst Du auch auf zu steuern. Und das macht es gefährlich.
Mit jeder Entscheidung, die Du auslagerst, verliert Deine eigene Klarheit an Bedeutung. Du gewöhnst Dich daran, dass jemand für Dich vorsortiert, bewertet und formuliert.
Wenn Du KI sinnvoll in Dein Zeit- und Selbstmanagement integrieren willst, musst Du sie anders einsetzen, als es die meisten tun: nicht, um Entscheidungen zu vermeiden, sondern um bessere Entscheidungen zu treffen.
Konkret heißt das: Du solltest KI nicht in erster Linie für Antworten nutzen, sondern für Fragen. So lässt Du Dir nicht sagen, was Du tun sollst, sondern zwingst Dich, Deine eigenen Prioritäten sichtbar zu machen.
Zum Beispiel:
- Der falsche Weg: Du lässt Dir von der KI eine perfekte Antwort auf eine E-Mail schreiben. Der richtige Weg: Du lässt Dir drei unterschiedliche Antwortstrategien aufzeigen und entscheidest Dich bewusst für eine davon.
- Der falsche Weg: Du lässt Deine Aufgaben von der KI strukturieren. Der richtige Weg: Du lässt Dir zeigen, welche davon nicht auf Dein Ziel einzahlen, und entscheidest dann, was Du konsequent streichst.
Im ersten Fall wirst Du entlastet. Im zweiten gewinnst Du Klarheit. Und Klarheit ist im modernen Arbeitsalltag noch knapper als Zeit. KI kann Dich dazu bringen, diese Klarheit zu entwickeln. Vorausgesetzt, Du nutzt sie nicht als bequemen Autopiloten, sondern als Gegenüber, das Dich herausfordert.
Die meisten werden genau das nicht tun. Sie werden sich weiter entlasten, weiter beschleunigen, weiter (vermeintlich) optimieren. Und sich dabei Schritt für Schritt von ihren eigenen Entscheidungen entfernen.
Die Frage ist deshalb: Bei welchen Entscheidungen in Deinem Alltag gibst Du gerade die Kontrolle ab, obwohl dort eigentlich Dein größter Hebel liegt?